Bettina Schad

Christian Schad, Porträt seiner späteren Ehefrau, Bettina Mittelstädt, 1942

Christian Schad, Porträt seiner späteren Ehefrau, Bettina Mittelstädt, 1942

„Oh Gott, ein Psychologe…!“, dachte die junge Schauspielerin Bettina Mittelstädt, als Christian Schad sie im Jahr 1942 in einem Restaurant am Berliner Kurfürstendamm anspricht. Er bittet um eine Porträtsitzung. Im Gespräch wird ihr klar, dass es sich um den Maler der Ufa-Filmstars Kristina Söderbaum und Luise Ullrich handelt, dessen Porträts in der Kunstzeitschrift „Der Silberspiegel“ abgedruckt worden waren. Im Atelier Lietzenburger Straße entstand kurze Zeit nach der erwähnten Begegnung das Bildnis Bettina Mittelstädts.

Bettina Schad (geboren am 4. Juni 1921) war aufgewachsen als Tochter eines Grafikers in der Reformsiedlung Eden bei Oranienburg. In Berlin arbeitete sie als Schauspielerin und folgte dem Angebot eines Theaterengagements nach Schlesien. Sie erlebte das Kriegsende als Krankenschwester in Mecklenburg und war schließlich in Ostfriesland kurzzeitig interniert. Im Herbst 1945 kam sie an den bayerischen Untermain. Schad heiratete sie 1947 in Aschaffenburg. Ihr Leben als aufstrebende Schauspielerin tauschte sie gegen diese Beziehung ein. „Das Leben mit ihm und für ihn war und ist mein Lebensinhalt. es war ein Genuss, mit ihm zu leben […] Wir haben uns gut ergänzt. Ich war abgehärteter als er. Was ich am Theater gesucht hatte, die totale Vereinigung von Seele, Geist und Körper, habe ich in ihm gefunden.“ (Bettina Schad, Interview in der Aschaffenburger Tageszeitung Main-Echo vom 12. Juli 2001)

Rettung vor der Zerstörung

Im März 1943 wird Schads Berliner Atelier in der Lietzenburger Straße zerstört, der zu diesem Zeitpunkt in Aschaffenburg arbeitet. Bettina Mittelstädt gelingt es, die Mehrzahl der dort vorhandenen Werke zu retten. Ihr Ziel ist es, die Bilder nach Aschaffenburg zu bringen. Am Vorabend des Transports wird auch das Gebäude der Spedition am Bahnhof Lichterfelde zerstört. Allein der Umstand, dass das Umzugsgut aus Platzmangel über Nacht auf einem Lastwagen in einer Nebenstraße gelagert war, rettet die heute weltbekannten Werke Christian Schads vor dem Untergang.

Die Bewahrerin

Nach dem Tod des Malers im Jahr 1982 bewahrte seine Witwe das künstlerische Erbe ihres Mannes und widmetet sich mit großer Hingabe der Grundlagenarbeit als Vorbereitung einer wissenschaftlichen Erschließung seines Gesamtwerks. Es gelang ihr, einige der veräußerten Werke ihres Mannes zurückzukaufen sowie den umfangreichen privaten Nachlass durch zahlreiche dokumentarische Zeugnisse zu ergänzen. In ihrem Keilberger Haus, An der Dornhecke 1, betreute sie mit offizieller Briefadresse „Nachlass und Archiv Christian Schad“ eine für Sammler, Galeristen und Museumsleute gleichermaßen bedeutende Anlaufstelle. Ihre umfangreiche Recherchetätigkeit profitierte dabei von den über die Jahrzehnte gewachsenen internationalen Kontakten des Paares.

Die Stifterin

Wolfram Eder, Porträt-Fotografie Bettina Schad, Aschaffenburg 1990-2000 (CSSA 575/2010)

Wolfram Eder, Porträt-Fotografie Bettina Schad, Aschaffenburg 1990-2000

Bettina Schad ist am 31. März 2002 gestorben. Bereits Jahre zuvor hatte sie sich entschlossen, den gesamten in ihrem Besitz befindlichen künstlerischen und privaten Nachlass in eine gemeinnützige Stiftung einfließen zu lassen. Entsprechende Verhandlungen mit der Stadt Aschaffenburg, unterstützt durch die damalige Direktorin der Museen, Ingrid Jenderko-Sichelschmidt, führten am 20. Dezember 1999 zur Zustimmung des Stadtrats für die Errichtung einer Stiftung. Am 9. Februar 2000 unterzeichnete der damalige Oberbürgermeister Willi Reiland zusammen mit Bettina Schad den entsprechenden Trauhandvertrag, im Oktober des Jahres wurde durch seinen Nachfolger, Oberbürgermeister Klaus Herzog, schließlich der Erbvertrag abgeschlossen und damit die Satzung der Stiftung rechtskräftig. Den Vorsitz der Stiftung hielt Bettina Schad bis zu ihrem Lebensende inne. Bis zu seinem Tod am 30. April 2007 gehörte dem Stiftungsbeirat neben Carl-Heinz Heuer und Stefan Lafaire auch Christian Schads Sohn aus erster Ehe, Nikloaus Schad, an.

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